Handlettering für Anfänger

Als ich vor vielen, vielen Jahren das Schreiben gelernt habe, verlor ich mein Herz an die zauberhafte Welt der Buchstaben. Ob Blockschrift, Schreibschrift, Kalligraphie, verschnörkelt oder schlicht, ob mit Füller, Kugelschreiber, Feder oder Bleistift – seitenweise füllte ich Tagebücher und Notizhefte, verschönerte Ordner, schrieb Briefe. Selbst als jeder schon mit Laptop im Vorlesungssaal oder Meeting saß, zückte ich am liebsten Papier und Stift um mir handschriftliche Notizen zu machen. Heute zählen meine Aufzeichnungen und Erinnerungen zu meinen liebsten Schätzen, die weiter stetig wachsen.

Natürlich ist der Handlettering-Trend demnach nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Handlettering ist, wie der englische Name schon sagt, das Schreiben mit der Hand; genauer: das Schön-Schreiben. Beim Handlettering ist die Form und das Erscheinungsbild der Schrift mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt. Spezielle Formvorgaben gibt es allerdings nicht. Handlettering können einfache, simple Druckbuchstaben sein oder verschlungene Schreibschrift, dazu zählen außerdem kleine Verzierungen wie Blätterranken, Pfeile, Blüten oder Punkte. Schön soll es aussehen und stimmig; leicht verspielt und meistens ein klein wenig süß.

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Das Tolle am Handlettering ist, dass es kein richtig oder falsch gibt. Jeder kann es lernen, ausprobieren, Wörter und Sätze nach dem eigenen Geschmack gestalten. Es braucht auch kein teures Equipment, um damit zu starten. Papier, Bleistift und Feinliner reichen für den Anfang völlig aus und das Internet dient als schier unerschöpfliche Inspirationsquelle.

Wer jetzt trotzdem nicht so wirklich weiß, wie er mit dem Handlettering beginnen soll, dem zeige ich heute mein Vorgehen Schritt für Schritt. Ich lege mir zunächst meinen Notizblock oder etwas Schmierpapier, Bleistift, Radiergummi, Lineal (um Hilfslinien zu zeichnen; dadurch werden die Buchstaben bzw. Worte gleichmäßiger) und meine Feinliner zurecht. Wer schon etwas mehr Geld investieren möchte, der kann sich artist pens kaufen. Ich nutze die PITT artist pens von Faber Castell und bin sehr zufrieden. Diese gibt es in unterschiedlichen Stärken: „S“ ist die dünne, „B“ die dickere Variante, die vom Schriftbild in Richtung Tuschepinsel/Feder geht. Für den Anfang reicht ein simpler Feinliner aber völlig aus.

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Dann startet der einfache und zugleich schwierigste Teil: Das Herumprobieren mit der Schrift und den Verzierungen. Ich male mit dem Bleistift, was mir in den Sinn kommt. Inspiration finde ich im echten Leben oder im Netz – haltet die Augen offen, fotografiert Dinge, die euch unterwegs begegnen und gefallen, speichert Ideen auf Pinterest. Probiert euch aus, legt los, denkt nicht zuviel nach. Malt, schreibt, zeichnet, wie es euch in den Sinn und die Hand kommt. Das ist Handlettering.

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Wenn ihr mit eurem Output soweit zufrieden seid, kommt der Feinliner bzw. dünne artist pen zum Einsatz. Damit werden die Linien und Konturen nachgezeichnet.

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Mit dem dicken artist pen zeichne ich anschließend die verstärkten, dickeren Linien. Profis schreiben natürlich ganze Wörter am Stück mit dem dicken artist pen, das erfordert aber mehr Übung, sonst wird das Schreiben schnell zu einer frustrierenden Angelegenheit. Wer keinen dicken artist pen hat, malt mit dem Feinliner die dickeren Linien aus.

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Nicht gleich verzagen, wenn es nicht so funktioniert oder aussieht, wie gewünscht. Auch ich habe mich zu Beginn über verwackelte Linienführung geärgert oder mich im Geschnörkel verloren – das passiert mir heute noch. Wie überall gilt eben genauso beim Handlettering: Übung macht den Meister. Und Mut zum Ausprobieren. Auf einen schönen Schriftzug kommen meistens mindestens 10 Anläufe, aber letztlich ist der Weg ja das Ziel.

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Für mich ist Handlettering ein sehr entspannender, meditativer Prozess. All denjenigen, die ebenfalls auf den Geschmack gekommen sind und gerne aus Büchern lernen, empfehle ich ürbigens das Buch „Handlettering – Die Kunst der schönen Buchstaben“ von Frau Annika, das viele Infos, Erklärungen und Beispiele enthält. Bei Interesse stelle ich es euch gerne in einem gesonderten Artikel näher vor.

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Viel Freude, Ruhe und Entspannung beim Schreiben wünsche ich euch!

Liebste Handlettering-Grüße

Martina

Mein Handlettering ist heute bei RUMS.

 

 

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6 Gedanken zu “Handlettering für Anfänger

  1. Sehr würde ich mich freuen, wenn du das Buch mal vorstellen würdest. Aber auch dein Artikel war mir schon eine riesige Hilfe: Zum Geburtstag habe ich nämlich ein Set von Kaligrafie-Stiften geschenkt bekommen, weil ich eben so gerne schreibe 🙂
    Allerdings lagen die bisher noch ungeöffnet auf meinem Schreibtisch. Viel zu viel Angst habe ich davor, irgendetwas falsch zu machen. Aber du hast mich echt inspiriert – ich glaube, ich gehe die Sache heute bei diesem Wetter auf dem Balkon mal an 😀
    Und gerne mehr zu diesem Thema bloggen :*!

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar! Darüber habe ich mich sehr gefreut 🙂 Ich war mir nämlich wirklich unsicher, ob sich überhaupt jemand so wirklich dafür interessiert…

      Das Buch stelle ich gerne demnächst näher vor, ebenso wie einige Techniken.

      Ich hoffe, du hattest einen tollen Tag auf dem Balkon mit deinen Kalligraphie-Stiften! Ich bin ja etwas neidisch… Irgendwann werde ich mir auch noch so ein Set gönnen müssen 🙂

      Liebe Grüße
      Martina

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    1. 😀 Ja, gute Frage. Aber das Schreiben kann man immer so wunderbar zwischendurch machen oder zB auch beim telefonieren. Und sag bloß, du hast deinen Online-Strickkurs noch immer nicht gemacht 😉

      Bisou :*

      Gefällt 1 Person

  2. Also das ist ein Thema, das mich auch extrem interessiert 😉
    Ich muss mich wohl doch mal an wagen!
    das Buch würde mich auch interessieren! Vielleicht schaffst du ja mal eine Buchvorstellung 😉
    Viele Grüße
    Fina

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