Natürliche Haarpflege: Tipps für den Einstieg

Seit ich begonnen habe, mich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu befassen, zieht es in unserem Leben immer größere Kreise – und dabei stehe ich wirklich noch sehr am Anfang dieser spannenden Reise. Mittlerweile hat das nachhaltige Denken in meinem Badezimmer Einzug gehalten, was Konsequenzen für meine zeitweise außer Kontrolle geratene Shampoo-, Spülung- und Duschgelsammlung hatte. Diese gibt es in der Form nämlich nicht mehr.

Erste Überlegungen fanden bereits in der Schwangerschaft statt, konkret wurden diese als das Minimädchen dann auf der Welt war. Ich wollte so wenig chemische Zusätze wie möglich für sie, weshalb wir hauptsächlich bloßes Wasser genutzt haben, sowohl beim Wickeln als auch beim Baden. Zusätze gab es höchstens in Form von Muttermilch oder Calendula-Öl.

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Denn tatsächlich bringen die teils aggressiven Seifen die natürliche Schutzfunktion der Haut meist erst aus dem Gleichgewicht. Oder auch die Haare. Seit ich denken kann, habe ich nämlich sehr fettiges Haar am Ansatz, trocken in den Spitzen. Ein echter Klassiker. Seit ich die gängigen Shampoos aus dem Drogeriemarkt durch Naturkosmetik ersetzt habe, wurde mein Fett-Problem schon etwas besser. Musste ich früher täglich waschen, kann ich heute bis zu drei Tage pausieren – ein echter Fortschritt für mich. Wer nun auch überlegt, zu natürlich(er)en Alternativen zu  wechseln, für den habe ich im Folgenden ein paar Tipps für den Einstieg vorbereitet.

TIPP 1: DIE NATRONKUR

Oft liest man im Netz von misslungenen Versuchen, die klassischen Shampoos durch Naturkosmetik zu ersetzen: Beklagt werden glanzloses, mitunter noch immer fettiges Haar, welches strähnig und trocken ist. Das liegt aber nicht an den naturkosmetischen Produkten, sondern meist an den Seifenablagerungen in den Haaren. Die Haaroberfläche besteht nämlich aus einer porösen Schuppenschicht, die durch Umwelteinflüsse wie Licht, Hitze oder Haargummis beansprucht wird. Die Schuppenschicht öffnet sich, Lücken entstehen. In diesen lagern sich – vereinfacht ausgedrückt – die seifigen Bestandteile und Silikone der Shampoos ab.

Damit das Haar in seine ursprüngliche Form zurückfindet, müssen diese Reste entfernt werden. Das funktioniert am besten mit einer Natronkur, denn Natron ist der chemische Gegenpol zu den Seifen, mit denen es reagiert. Auf diese Weise lassen sich die seifigen Überreste einfach ausspülen.

Eine Natronkur ist schnell und günstig selbst gemacht: Man benötigt nur handelsübliches Backnatron und Wasser. Achtung: Nehmt am Anfang lieber weniger Natron und tastet euch langsam heran, denn Natron wirkt austrocknend und entzieht dem Haar auch die Farbe, wenn ihr es zu lange einwirken lasst. Ich habe bei sehr langem Haar zwei Natrontabletten (1 TL) auf einen Liter Wasser verdünnt, dieses vorsichtig über mein bereits feuchtes Haar gegossen und sanft einmassiert. Die Einwirkzeit sollte 2 Minuten nicht überschreiten – auch hier gilt: Am Anfang lieber zu früh ausspülen und die Kur einige Tage später wiederholen.

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Bei meinem ersten Versuch hatte ich nach kurzer Zeit einen ziemlich seifigen, grauen Film auf dem Kopf, der beim Ausspülen wie altes Seifenwasser aussah. Als ich die Kur einige Tage später wiederholt habe, waren kaum noch Seifenrückstände da. Jetzt ist das Haar vorbereitet und weiter geht es mit Tipp Nummer 2.

TIPP 2: Die Apfelessigrinse

Die Natronkur hat nun zwar viele Seifenablagerungen entfernt, aber zugleich auch das Haar aufgeraut: Die Schuppenschicht hat sich geöffnet und im trockenen Zustand ergibt das die ungeliebten strohigen Haare. Um die Schuppenschicht wieder zu schließen, gibt es ebenfalls ein ganz einfaches günstiges Hausmittel, die Apfelessigrinse.

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Dazu braucht ihr nicht mehr als Apfelessig und Wasser (ich mag es gerne warm). Der Apfelessig von Alnatura eigent sich z.B. prima, der ist außerdem sogar vegan. Auf einen Liter Wasser kommt ca. 1 TL Essig. Die Rinse wird anschließend über die Haare gegeben und etwas einmassiert. Bei der Frage: Ausspülen oder nicht? scheiden sich allerdings die Geister. Die einen schwören auf Nachspülen, andere mögen die Rinse so im Haar belassen. Probiert am besten selbst aus, was sich für euch am besten anfühlt. Ich spüle gerne kurz nach.

TIPP 3: Bürsten mit Naturborsten

Der absolute Geheimtipp sind Bürsten mit Wildschweinborsten. Allerdings sind die auch ziemlich teuer. Ich nutze im Moment noch Holzbürsten und bin sehr zufrieden damit. Plastikborsten haben oft feine scharfe Risse, die das Haar schädigen können. Die Holzoberfläche (oder eben besser noch die Naturborsten) sind glatter und schädigen weniger, außerdem massieren sie meiner Meinung nach den Kopf wesentlich angenehmer.

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… und womit genau wäscht man jetzt die Haare?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Die meisten beginnen ihren Weg bei naturkosmetischen Shampoos, z.B. von Weleda oder Sante. Allerdings bleibt auch hier wieder der Plastikmüll. Alternativ gibt es Haarseifen, z.B. die sogenannten Aleppo-Seifen, die ich gerade nutze und im Reformhaus gekauft habe. Anfangs ist es etwas ungewohnt, die Seife in den Händen erst noch aufzuschäumen, aber man gewöhnt sich schnell daran.

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Ausprobieren möchte ich auf jeden Fall noch Lavaerde. Und was ich mir zu Beginn noch gar nicht vorstellen konnte, möchte ich mittlerweile gerne erreichen: poofree, also komplett Shampoo-frei zu sein und (fast) nur mit Wasser zu waschen. Das klappt tatsächlich, allerdings ist es doch ein längerer Weg – und funktioniert vielleicht auch nicht bei allen. Spannend finde ich es allemal und werde gerne über die weiteren Fortschritte berichten.

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So viel zu meinen aktuellen haarigen Projekten – falls ihr dazu Fragen habt, immer her damit! Über Tipps und Erfahrungen freue ich mich auch 🙂

 

Liebe Grüße

eure Martina

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6 Gedanken zu “Natürliche Haarpflege: Tipps für den Einstieg

  1. Momentan bin ich auch in der Umstellung und habe gestern mit Heilerde gewaschen. Es ist schon sehr ungewohnt, sich auf diese ganz anderen Produkte einzulassen. Derzeit gefallen mir meine Haare noch nicht so gut, aber es heißt ja, man soll da geduldig sein, also versuche ich durchzuhalten 🙂

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    1. Ja, ungewohnt ist es anfangs wirklich! Und bis die Haare sich umstellen kann es richtig lange dauern… Ich hatte vor Jahren schon einmal versucht auf Naturkosmetik umzustellen und nach zwei, drei Wochen entfernt aufgegeben 😀 Jetzt hat es auch richtig lange gedauert, bestimmt 6-8 Wochen und so ganz habe ich „meine“ Routine auch noch nicht gefunden.

      Was mir mittlerweile auch klar ist: Die Haare fühlen sich eben auch anders an als mit Shampoo, also auch nachdem sich der Kopf umgewöhnt hat. Mit Naturprodukten werden die Haare nie so „sauber“ wie mit den klassischen Shampoos, weil die natürliche Kopfhautschicht und Haarschicht eben nicht mit weggeschrubbt wird. Dafür fühlt sich meine Kopfhaut viel entspannter und ausgeglichener an, meine Haare sind selbst fettig irgendwie nicht so schlimm fettig (und vor allem jucken sie dann nicht mehr) und sie sind etwas weicher und länger glänzend.

      Demnächst versuche ich mich auch einmal an selbst gemachten Ölkuren, meine Spitzen werden nämlich nach wie vor schnell trocken. Ich werde berichten – und wünsche dir gerade für den Anfang noch etwas Durchhaltevermögen 🙂 Bei mir hat sichs gelohnt, ich hoffe, bei dir auch!

      Liebe Grüße
      Martina

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  2. Ich wasche mir meine Haare total gern mit einer Mischung aus Roggenmehl und Wasser (breiartige, glatte Masse). Am Anfang war ich sehr skeptisch, da ich dachte, dass das „Shampoo“ bestimmt meine Haare verklebt und sie davon ganz sicher nicht sauber werden. Aaaaber,… total super.

    Die Apfelessigrinse finde ich auch grandios. Die Natronkur klingt wirklich sehr spannend und wird am Wochenende direkt ausprobiert 🙂

    Viele liebe Grüße
    Nise

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, stimmt, von Roggenmehl habe ich auch schon so viel Gutes gehört! Das möchte ich auch noch testen… Nutzt du ein bestimmtes? Oder weißt du, was es zu beachten gilt? Noch habe ich „meine“ perfekte Waschroutine noch nicht gefunden – ich bin gespannt, vielleicht ist es ja auch Roggenmehl 🙂

      Wenn du ohnehin nicht mit Shampoo & Co. wäschst, dann würde ich übrigens nur eine ganz leichte Natronkur machen. Ich mache die mittlerweile nur noch alle 3-4 Monate, wobei ich auch Leute kenne, die ausschließlich damit waschen (und dann mit Rinse nachspülen). Zur Gesichtsreinigung wurde sie mir auch schon empfohlen und wenn meine Weleda Reinigungsmilch leer ist, werde ich das mal testen und berichten. Bin gespannt, ob sie dir zusagt 🙂

      Liebe Grüße
      Martina

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      1. Derzeit benutze ich das Roggenmehl von „Unsere Heimat“. Das habe ich mal bei EDEKA gekauft. Beachten muss man eigentlich nicht viel. Wasser und Roggenmehl zu einem glatten Brei vermengen (gel-artig; mische ich auch immer nach Gefühl; 3-4 EL ins Wasser), auf die Haare geben und wie Shampoo einmassieren. Unter der Dusche lasse ich das, solange ich mich wasche, einweichen und spüle alles gründlich mit warmen Wasser aus. 🙂

        Klasse, danke für den Tipp. Bin echt mal gespannt, wie sich die Haare danach anfühlen 🙂

        Viele liebe Grüße
        Nise

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  3. Hej. 🙂
    Das ist ja spannend, dass du dich momentan mit natürlicher Haarpflege beschäftigst! Ich bin inzwischen seit acht Wochen (ich musste gerade mal nachschauen) „poofree“ und total begeistert davon.
    Ich wollte warten, bis meine Haare sich wirklich umgestellt haben, und dann mal einen Blogeintrag dazu schreiben. Du hast mich gerade sehr dazu motiviert. 🙂
    Ich wünsch‘ dir einen guten Start in die neue Woche,
    die Waldgängerin

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