Schenkt den Kindern Zeit

An so vielen Tagen eilen wir durch unser durchgetaktetes (Erwachsenen-)Leben. Morgens gehen wir zähneputzend die anstehende Meetings im Kopf durch, überlegen während des Kaffees, was heute Abend eingekauft werden muss und haben auf dem Weg zum Kindergarten ständig die Uhr im Blick. Nach der Arbeit holen wir schnell die Kinder wieder ab, kochen, kümmern uns um den Haushalt, sehen den Liebsten wieder, der noch später nach Hause kommt und versuchen, allem gerecht zu werden.

Meist fällt uns dann noch ein, dass wir dringend einen Termin für wahlweise Zahnarzt, Kinderarzt, Friseur oder Steuerberater machen müssten und die gedankliche To Do Liste wächst unaufhaltsam ein weiteres Stück. Im Winter wird das ganze Spektakel mit einer innerfamiliären Krankheitsquote von mindestens 50% übrigens noch spaßiger. Klingt beim Lesen schon stressig? Ja, tatsächlich! Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich am Ende des Tages etwas atemlos auf dem Sofa sitze.

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Umso wichtiger sind die kleinen Alltagsfluchten. Und die sind eigentlich so einfach: das Handy aus, die Wäscheberge ignorieren. Die (gedankliche) To Do Liste zur Seite legen. Sich vom Kind an die Hand nehmen und führen lassen. Raus gehen ins Grüne, sich ohne Termindruck treiben lassen. Die Ruhe spüren, die langsam in einen selbst zurückkehrt, Stille atmen, Eichhörnchen beobachten. Sich der Welt bewusst werden. Bäume, Gras, Himmel. Kleine Steinchen auf dem Weg.

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Diese Langsamkeit ist nicht nur gut für uns, sie ist vor allem auch gut für unsere Kinder. Viel zu oft müssen sie sich an unsere Taktung anpassen, die kaum Zeit übrig lässt, um auf dem Weg zum Kindergarten den krabbelnden Ameisen im Vorgarten zuzusehen oder die bunten Blumen zu untersuchen. Kinder haben ihr ganz eigenes Tempo, um die Welt zu entdecken. Ein altes Blatt kann viele Minuten lang ihre Aufmerksamkeit fesseln. Sie suchen sich ihren eigenen Weg, machen das, was sie gerade fordert und interessiert. Heute wird ohne Unterlass geschaukelt, am nächsten Tag auf Ästen balanciert.

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Gebt den Kindern die Zeit, lasst sie ihren Weg wählen. Auch wenn es schwer fällt, weil wir selbst es nicht mehr verstehen können: Lasst sie die vertrocknete Blume so lange betrachten, wie sie möchten. Lasst sie stundenlang auf die Bank klettern und wieder herunterhüpfen, auch wenn nebenan ein Spielplatz mit vermeintlich viel schöneren Spielgeräten ist.

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Das Versunkensein in eine Tätigkeit, das Eins-Sein mit sich, diesem Moment und dem, was man tut ist so kostbar. Und ist es nicht das, wonach wir uns viele Jahre später, als Erwachsene immer wieder sehnen? Sogar Entspannungsseminare belegen und Achtsamkeitstrainings besuchen? Machen wir es unseren Kindern nicht kaputt. Lernen wir stattdessen von ihnen und begleiten sie auf ihrer Reise.

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Das Wochenende steht vor der Tür – vielleicht findet ihr ja ein, zwei Stunden Zeit für euch und  eure Familie. Ich wünsche euch jedenfalls zwei entspannte Tage!

Eure Martina

Unser wunderschöner Parktag ist bei freutag.

 

 

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8 Gedanken zu “Schenkt den Kindern Zeit

    1. Danke dir! 💛 Ja, ich muss es mir auch selbst immer wieder sagen und bewusst machen. So schnell landet man immer wieder im täglichen Hamsterrad…
      Liebe Grüße
      Martina

      Gefällt mir

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