me super mom – Schluss mit dem Perfektionismus!

Morgens, 7 Uhr in Deutschland an einem gewöhnlichen Wochentag. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint durch das Fenster und kitzelt die Eltern aus dem Schlaf. Mit einem seligen Lächeln erwachen Mann und Frau und geben sich einen liebevollen Kuss. Während die Mutter in aller Ruhe ausgiebig duscht, sich schminkt und anzieht, bereitet der Vater ein ausgewogenes, leckeres Frühstück zu; Kaffeeduft zieht durch die Wohnung. Mit sanften Worten wird das Kleinkind geweckt, das sogleich fröhlich strahlend am Frühstückstisch erscheint. Es wird gescherzt, gelacht und man wünscht sich gegenseitig einen wundervollen Tag: Das Kind besucht voller Begeisterung die KiTa und die Eltern freuen sich auf ihre Jobs, die ihnen Spaß machen und die absolut problemlos vereinbar sind mit dem Familienleben. Auch am Abend geht es nicht minder harmonisch und insbesondere pädagogisch wertvoll zu. Die Bedürfnisse der anderen werden in aufopferungsvoller Hingabe berücksichtigt, mit engelsgleicher Stimme liest die Mutter ein Buch vor und der Vater baut aus ökologisch nachhaltigen Holzbauklötzen gemeinsam mit dem Kind einen Stall für die selbst gefilzten Tiere. Das glückliche Familienidyll, zauberhafte Harmonie.

Das dürfte uns allen vermutlich ziemlich bekannt vorkommen. Oder etwa nicht? Wenn man sich durch viele Blogs, Instagramprofile oder Facebookseiten klickt, kann man zumindest genau diesen Eindruck bekommen. Kinder, trendiger gestyled als ich zu meinen besten Teenagerzeiten, toben durch wundervolle, schier endlose Altbauwohnungen, der Ikea-Wohnweltenkatalog ist ein Witz dagegen. Bilder von Reisen nach Thailand, auf die Malediven, der Spa-Wellnesstrip in die Berge. Und immer alle glücklichglücklichglücklich mit dem passenden roten Lippenstift. Jaja.

Ok, ich gebe es zu: Ich mag schöne Bilder. Ich mag Inspiration. Meine Wäscheberge zu Hause sind ohnehin omnipräsent, da brauche ich nicht noch die Wäschebergebilder der anderen. Aber bei so viel wunderschönem Schein, so viel fast schon überirdischem Glanz und Gloria, da fühlt man sich dann manchmal doch wie die überforderte Assi-Muddi von RTL II. Bekloppt, ich weiß. Denn meistens ist der himmlische Glanz nämlich nichts anderes als ein gut gewählter Filter.

Etwas mehr Realität würde ich mir deshalb oft wünschen. Wenn ich Familienblogs folge, dann solchen, die über ein gewisses Maß an Echtheit verfügen, an Lebendigkeit und Authentizität. Dafür muss das holy mess zu Hause nicht täglich abgelichtet werden. Aber darüber sprechen kann man doch. Sollte man sogar. Wir sind nämlich weder perfekte Mütter, noch haben wir perfekte Kinder oder die perfekte Familie und das ist auch gut so. Weil wir nämlich alle Menschen sind und die haben ihre Fehler, Schwächen, Macken. Wir leben zusammen und gehen uns dabei eben auch mal auf die Nerven, gehörig mitunter. Wir sind übermüdet, haben Hunger, Stress auf der Arbeit, Kinder, die nie, nie, niemals hören, Kinder, die den ganzen Winter krank sind, Männer, die mit Männergrippe flach liegen. Wir treffen auf riesige Idioten, die uns den letzten Parkplatz wegschnappen, verlegen Autoschlüssel und vergessen die Pizza im Ofen. Daraufhin streiten wir mit dem Mann, weil der seiner Pizza hinterhertrauert, meckern die Kinder an, weil die ebenfalls der Pizza hinterhertrauern und gleichzeitig die Wohnung in ein Schlachtfeld verwandeln, in dem man den Autoschlüssel ganz sicher niemals wiederfindet. Nur der riesige Wäscheberg ragt unübersehbar hervor. Und irgendwann wünschen wir uns nur noch eines: Ruhe. Himmlische, absolute Ruhe. Dafür würden wir fast alles tun.

Und wisst ihr was? Schiebt eine neue Pizza in den Ofen, lasst den Mann Fußball schauen und die Kinder Pippi Langstrumpf. Werft die pädagogischen Weisheiten über Bord, stellt eine Schüssel Gummibärchen dazu, ignoriert den Wäscheberg und flieht in die Badewanne. Unsere Kinder brauchen keine Supermoms, sie brauchen kein psychopathisches Dauerlächeln und keine rund-um-die-Uhr-immer-pädagogisch-höchst-wertvolle Beschäftigung. Sie brauchen zufriedene Eltern, die auf sich aufpassen können, sie brauchen eine Familie, in der Platz ist für schlechte Laune und Raum zum Streiten lernen. Was jetzt natürlich nicht im Umkehrschluss heißt, dass Mama und Papa sich mindestens drei Stunden am Tag anschreien sollten. Aber es ist ok, einen schlechten Tag zu haben. Es ist ok, den Mann und die Kinder anzumeckern, auch wenn es ungerechtfertigt ist. Das passiert und ist einfach menschlich. Und nach einer Runde Badewanne sieht die Welt gleich ganz anders aus. Dann kann man sich entschuldigen, erklären, warum man so genervt war und sich mit einer Handvoll Chips zu den Liebsten vor den Fernseher hauen. Das hat meistens das Potential für einen wirklich perfekten Abend.

Ach ja, übrigens. Unsere Morgenharmonie sieht ungefähr so aus: Ich stehe als erstes auf und bin froh, dass mich die erste halbe Stunde des Tages niemand anspricht. Gut gelaunte Morgenmenschen, die fröhlich zwitschern „Der frühe Vogel fängt den Wurm!“? Sind mir suspekt. Der Mann snoozt gerne bis Ultimo und das Kind steht uns in Punkto schlechter Laune am Morgen in nichts nach. An manchen Tagen denke ich über Scheidung nach, an manchen übers Auswandern. Allein versteht sich. Zum Glück ist mir meine Chaostruppe aber so ans Herz gewachsen, dass ich stattdessen doch einfach nur zur Arbeit fahre und mich umso mehr darauf freue, am Nachmittag wieder in unseren täglichen Wahnsinn einzusteigen.

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Ihr lieben Supermamas da draußen – haltet die Ohren steif! Und denkt daran: Ihr seid genau richtig so, wie ihr seid.

Eure Martina

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11 Gedanken zu “me super mom – Schluss mit dem Perfektionismus!

  1. Meine liebe Martina,
    Also mein Alltag ist momentan so wahnsinnig, dass ich nicht mal zum Kommentieren deiner wunderbaren Texte komme. Mein Posteingang ist voller Leniundmo wo ich auch noch meinen Senf zu geben will. Also jetzt aber: du hast so recht, die Idylle bei ‚allen anderen‘ ist manchmal echt abschreckend. Ich bin dir sehr dankbar für deinen Beitrag, es tut gut zu hören, dass bei anderen auch nicht immer alles glatt läuft. Und den Link zu dem Insta-Versuch fand ich auch zum totlachen- es liegt mir auch sehr fern, mir den Alltag mit der Jagdt nach dem Foto mit der perfekten Idylle zu versauen- auch wenn das nicht sehr Blogger-Like ist. Ich bin auch so ein Morgenmuffel und die
    Kinder haben das dummerweise von mir geerbt. Und wenn es nicht so läuft, kommt abends auch mal der Pizzaservice, gegessen wird auf der Coach und dabei schauen wir Peppa Wutz… Ich weiß aber nicht ob das jemand sehen oder lesen will…
    Und jetzt noch zu der lila Jacke: Einfach zauberhaft. Irgendwie kriegst du die Kurve zwischen Kleinmädchenwünsche erfüllen und Dir treu bleiben.
    Drück dich aus dem Chaos zwischen Wäschebergen,
    Deine Elli

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  2. Der frühe Vogel kann mich mal…und zwar ganz gewaltig. Die erste halbe Stunde am Tag ALLEIN im Bad ist mir heilig. Wenn mir das gelingt, kann alles am Tag kommen…Naja, fast alles 😊

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