Liebe Mamas, schenkt euch Zeit

Mein weltbestes Kind: Ich hab dich lieb, bis zum Mond und zurück. Mindestens. Manchmal allerdings würde ich am liebsten eine Rakete besteigen und selbst zum Mond fliegen. Einfach mal raus, weg, Ruhe. Nur ich allein. Keine Wäsche, kein „Mama hier, Mama da, Mamamama schauuu mal!“, kein Chaos. Ich schaue in den Spiegel und sehe eine müde Mama. Mit Augenringen, weil der Schlaf zu kurz kommt, mit ersten Falten und grauen Haaren, die mich frühlich aus dem Spiegel grüßen. Früher wäre man zum Friseur gegangen, einfach so. Heute jongliere ich mit dreitausend Terminen gleichzeitig und die für mich, die verschieb ich meistens immer weiter nach hinten. Wenn ich es überhaupt irgendwann schaffe, in Modemagazinen zu blättern, stelle ich erstaunt fest, dass sich die Mode in den letzten drei Jahren komplett verändert hat und überprüfe das Datum der Zeitschrift, ob es sich nicht doch um eine Ausgabe aus den 90ern handelt. Ich meine, ernsthaft, die 90er?! Gab es kein schöneres Jahrzehnt zum kopieren? Ich war damals wahrhaft froh, als die Karottenjeans endlich weg waren. Um ehrlich zu sein trage ich sie mittlerweile aber sogar ganz gerne, denn sie wärmen so angenehm die Nieren. Ja ja, I know – ich werde alt.
Ich bin von ganzem Herzen Karottenjeans-tragende Mama und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen oder wünschen, als die kleine Frau beim Groß werden zu begleiten. Trotzdem bin ich auch noch Frau, Freundin, Angestellte, freier Kopf,  kreativer Kopf, Schwester, Tochter, mein eigener Kopf. Und das ist auch gut so. Um zufrieden zu sein, brauche ich Zeit für mich. Zeit mit einem guten Buch, Zeit zum Schreiben, zum Stricken, zum Durchatmen. Ich träume von einem Städtetrip-Wochenende zu zweit, nur der Liebste und ich. Wie früher durch die Straßen streifen, tagsüber mit Buch im Café sitzen, abends Essen gehen und die Bars besuchen, sich treiben lassen und schöne Momente sammeln. So sehr ich den unglaublich engen und nahen Kontakt zu meiner Tochter in den ersten zwei Jahren geliebt habe, so sehr freue ich mich jetzt über ihre Selbstständigkeit. Groß ist sie geworden, mein Mädchen. Beschließt alleine, dass sie bei Oma und Opa übernachten möchte und bestimmt, dass wir nicht mitkommen müssen. Nicht dürfen trifft es eher. Solche Auszeiten sind sehr kostbar und wichtig für uns alle. Vor allem sind sie aber absolut kein Grund für schlechtes Gewissen, denn jeder Mama stehen Auszeiten zu, genauso, wie jede Mama mal genervt sein darf von ihren Kindern. Das gilt natürlich gleichermaßen auch für Papas.

Wie sehr wir uns als Eltern zurückgenommen haben, fiel mir auf der Suche nach einem passenden Bild für diesen Blogbeitrag auf. In den letzten eineinhalb Jahren kann man die Fotos von mir, also mir allein, ohne Kind, tatsächlich an einer Hand abzählen. Der Output des Liebsten ist kaum besser, vermutlich eher schlechter.  Angesichts der praktischen Muddi-Bequemlichkeitslooks und der Müdigkeit vermutlich auch kein allzu großer Verlust, aber hey – für die Zukunft möchte ich doch gerne wieder mal mich selbst in den Fokus rücken. Mich gibt es schließlich auch noch als selbstständige Person.

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Natürlich kann man mit Kindern nicht einfach in sein altes Leben zurückkehren. Möchte ich auch überhaupt nicht. Nur hin und wieder brauche ich diese leise Ahnung aus der Vergangenheit, die Erinnerung daran, wie es war, so ungebunden, unvernünftig und frei. Also gefühlt frei, los gelöst von jeglicher philosophischer Diskussion, ob es Freiheit tatsächlich gibt. Wenn Oma und Opa mir und uns, ein solches freies Wochenende ermöglichen, dann nehme ich diese Chance dankbar wahr, wohl wissend, dass mein Kind eine mindestens genauso schöne Exklusiv-Zeit mit den Großeltern hat, wie ich allein oder ich mit dem Liebsten.  Aber es braucht ja auch nicht immer gleich tagelange Auszeiten. Meist wären ein paar Minuten schon ein kleines Paradies. Wir versuchen uns als Eltern immer wieder solche Freiräume gegenseitig zu schaffen. Nur das Männer es meist besser hinbekommen, diese Freiräume auch als solche zu nutzen, während wir Frauen dann doch oft „noch mal eben schnell… wischen/staubsaugen/abspülen/aufräumen“. Also, liebe Mamas. Nehmt euch ein Beispiel an euren Männern oder auf jeden Fall an euren Kindern: Wenn ihr die Zeit bekommt, das zu tun, wonach euch ist – dann tut es. Legt euch auf das Sofa, geht spazieren, telefoniert eine Stunde mit der liebsten Freundin oder zockt World of Warcraft. Whatever makes you happy.
Ich zum Beispiel freue mich auf ein Samstagabend-Date mit dem Liebsten, einem Bier (für ihn) und einem Cocktail (für mich). Mein Wort zum Donnerstag. Macht es euch schön!

Eure Martina

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3 Gedanken zu “Liebe Mamas, schenkt euch Zeit

  1. Oh Dankeschön! Da freu ich mich aber sehr 🙂 Ich hoffe, euch gehts gut! Ich schmöker immer gerne bei dir und schau mir deine Wahnsinnsschönen Nähwerke an, komm im Moment aber irgendwie zu gar nix, nicht mal zum Kommentar-beantworten…bzw. brauche einen Monat 😀 Liebe Grüße und ja, hoffentlich bis bald mal wieder 🙂 Martina

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