Blogparade: Mein Mann, seine Karriere und ich

„Mein Mann, seine Karriere und ich“ – so lautet das Thema der Blogparade von Berdien, einer meiner Lieblingsbloggerinnen. Berdien ist Mama von drei Mädchen und wohnt derzeit mit ihrer Familie in Mexiko, der aktuellen Auslandsstation ihres Mannes. Der ist nämlich Diplomat und arbeitet als solcher natürlich weltweit. Auf bejewly berichtet Berdien von diesem Leben im Ausland, von den Abenteuern und Herausforderungen eines sogenannten Expatlife, bei der die Karriere der Frau sich natürlich fast schon notgedrungen nach der des Mannes richtet.

Nun habe ich zwar kein Expatlife und der Liebste ist auch kein Diplomat. Allerdings ist unsere Karriereaufteilung ähnlich: Die Karriere macht in erster Linie mein Mann und ich bzw. meine Tochter und ich unterstützen ihn dabei als Familie. Lustigerweise ruft eine solche Aussage meistens genau zwei Reaktionen hervor: entweder den feministischen „Oh nein, sie richtet ihr Leben nach dem des Mannes aus und bleibt das Heimchen am Herd!“ – Aufschrei oder das eher traditionsbehaftete „Wie schön, dass ihr euch nicht zwischen euren Karrieren aufarbeitet und jemand in erster Linie für das Kind da ist!“ – Lob. Tatsächlich haben beide Seiten Recht und auch wieder nicht, denn bloßes Schwarz-Weiß-Denken ist zu einfach. Jeder Mensch und jede Familie ist anders, individuell, mit ganz eigenen Bedürfnissen, Ansprüchen und Zielen.

Ich zum Beispiel wollte zunächst studieren. Ich wollte Sprachen lernen, in fremde Kulturen eintauchen, stapelweise staubige Bücher in kleinen Bibliotheken wälzen und über die großen Fragen der Philosophie sinnieren. Ich wollte reisen, mit Freunden die Nächte durchquatschen bei Rotwein und mit selbstgedrehten Zigaretten, ich wollte schreiben und mich treiben lassen, zu mir finden, mich frei fühlen. All das hat ziemlich gut geklappt während meiner Studienzeit. Weniger gut geklappt hat der zweite große Wunsch: Kinder bekommen. Neben all dem Leben genießen, dem Studium, der Freiheit war für mich immer klar, dass ich eine Familie wollte. Ein Kind gehörte fest zu meinem Lebensplan, schon seit ich denken kann. Nicht, dass Karriere mich überhaupt nicht interessiert hätte, aber an erster Stelle stand für mich ein Kind, mein Kind. Unser Kind. Mit dem Liebsten war ich seit dem Ende der Schulzeit ein Paar, wir hatten eine Studentenwohnung mit dekadenten drei Zimmern, ich war in den Endzügen meines Studiums und mein Mann bereits an der Uni als Doktorand beschäftigt und dementsprechend in Lohn und Brot.

Allerdings war uns die Natur, das Schicksal oder der liebe Gott zunächst nicht unbedingt wohlgesonnen und so wurde aus dem „Das Schönste auf der Welt ist umsonst und doch unbezahlbar“ ein ziemlich langer, steiniger Weg. Bis ich nach über drei Jahren des Wartens endlich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten durfte, habe ich also meinen Abschluss gemacht und meinen ersten Job in einer Kommunikationsagentur begonnen. Wäre ich dann nicht schwanger geworden, hätte ich sicherlich den klassischen Karriereweg konsequenter verfolgt. Aber ich wurde schwanger, endlich. Und damit war klar, dass sich mein Leben in den nächsten Jahren nach unserer Familie richten wird. Nicht, weil ich das „musste“, sondern weil ich das wollte. So sehr hatte ich mir diesen kleinen Menschen in mein Leben gewünscht, dass ich nun die Zeit mit meiner Tochter genießen wollte. Eine potentielle Fernbeziehung kam für mich und uns nicht (mehr) in Frage. Für uns stand fest, dass wir dorthin ziehen würden, wo sich für meinen Mann das beste Jobangebot nach seiner Promotion ergeben würde. Natürlich hatten wir trotzdem gewisse Stadt-Präferenzen und haben uns sehr gefreut, als es letztlich nach München bzw. Oberbayern ging.

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Hier habe ich mir nach dem Umzug einen neuen Job gesucht und glücklicherweise schnell eine Teilzeitstelle in einem sehr familienfreundlichen Unternehmen gefunden. Denn auch wenn die Familie an erster Stelle steht – ich mag auch meine Arbeit und mir tut es gut. Der Liebste bringt Fräulein Len morgens in die Kita, ich hole sie zwischen 14 und 15 Uhr nach meiner Arbeit ab und wir verbringen den Nachmittag zusammen bis der Papa abends wiederkommt. Damit sind wir für den Moment sehr gut angekommen. Allerdings steht ebenfalls fest, dass wir bei einem neuen tollen Angebot im Zweifelsfall wieder umziehen würden – im In- oder Ausland. Vielleicht bleiben wir aber auch für immer im wunderschönen Oberbayern, wer weiß? Solange wir uns zumindest in Deutschland oder dem europäischen Ausland aufhalten, würde ich mir eben wieder einen neuen Job suchen und falls ich keinen finden sollte, dann wäre selbstständiges Arbeiten im PR- und Marketingbereich eine Option. Die große Karriere werden ich aber wohl so oder so ohnehin nicht (mehr) machen, zumindest nicht im klassischen Sinn. In meiner Welt bin ich allerdings sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, mit der Balance zwischen Arbeit und Familie. Vor allem bin ich sehr dankbar für meine kleine Familie und gespannt, was das Leben noch für uns bereit hält.

Wie es anderen Mamas geht, könnt ihr hier bei bejewly nachlesen und gerne auch mitmachen. Wie geht es euch mit eurer Situation? Ich bin gespannt von euch zu lesen 🙂

Alles Liebe

Martina

 

 

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4 Gedanken zu “Blogparade: Mein Mann, seine Karriere und ich

  1. Meine liebe Martina, vielen Dank für deinen schönen Beitrag zu meiner Blogparade. Man spürt bei dir, dass du zufrieden bist, so wie es ist und das ist wunderbar! Ich hoffe, wir lernen uns irgendwann persönlich kennen!
    Liebe Grüße aus Mexiko
    Berdien

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    1. Liebe Berdien,

      ich danke dir für die schöne Blogparade! War ein guter Anstoß, den Status Quo wieder einmal zu überdenken – und umso besser festzustellen, dass er gerade noch wunderbar passt 😀
      Oh ja, ich würde mich auch sehr freuen! Falls es euch in eurem Urlaub nach München verschlägt: Ihr seid jederzeit willkommen ❤

      Liebste Grüße zurück, Martina

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  2. Wir arbeiten beide Teilzeit. So können wir uns beide um die Kinder kümmern, Haushalt teilen und gemeinsam Zeit verbringen. Nach „Karriere“ steht uns beiden nicht der Sinn. Wir arbeiten soviel/sowenig, dass wir gerade so über die Runden kommen. Leckeres Essen und Zeit für die Familie macht uns glücklich.

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    1. Liebe Dag,

      das klingt wunderbar! ❤ Uns geht es ähnlich, Familie und gemeinsame Zeit gehen immer vor. Da mein Mann aber definitiv eher der gerne-und-viel-Arbeiter ist und das kombiniert mit dem deutlich höheren Einkommen, arbeitet er mehr als ich. Ich halte ihm dafür den Rücken frei, sodass wir die Freizeit dann auch so viel wie möglich genießen können. Gemeinsam kochen oder im Sommer grillen, in der Abendsonne sitzen und zusammen lachen – was braucht es mehr? 🙂

      Viele liebe Grüße

      Martina

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