„Mama, warum fährt man überhaupt in die Berge?“ Mit einer Dreijährigen in Alpbach, Österreich.

Freitag Abend, der Plan für das Wochenende steht: Wir wollen früh raus aus den Federn, ab ins Auto und möglichst zeitig in Alpbach ankommen, einem Bergdorf im Herzen Tirols. Wir träumen von Spaziergängen durch sonnige Wälder, von köstlichen österreichischen Gerichten und einer Gondelfahrt zum Gipfel. Der letzte Punkt immerhin, ja, der hat ganz gut geklappt.

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Denn natürlich haben wir zuerst verschlafen, dann zu lange gefrühstückt, dann noch mindestens fünf Dinge vergessen und als wir dann endlich ankamen, haben der Liebste und ich erst einmal auf einem Parkplatz gevespert, während die kleine Frau im Auto schlief. Vermutlich war sie erschöpft von der 1.385 Mal gestellten Frage, ob wir nun endlich da wären, gefolgt von der Info, dass ihr Rücken schwitzt (1.167 Mal) und unser Auto stinkt (838 Mal). Das Quartier war immerhin ganz gemütlich, wenn auch das Zimmer und das Bett eher an ein Puppenhaus erinnerten und damit für Menschen über 1,85 Meter Körpergröße einige Herausforderungen bargen.

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Der anschließende Spaziergang am Bach entlang wurde abrupt durch ein starkes Gewitter unterbrochen, auf der Hütte gab es zwar riesige Portionen Kaiserschmarrn und Kaffee, dafür aber auch wirklich viele Fliegen (und ich meine wirklich, wirklich viele. Ich komme vom Dorf, ich bin mit Fliegen aufgewachsen) und Frau Lene hatte letztlich weder Lust, selbst zu laufen, noch sich in die Kraxe zu setzen. Die fröhlichen Familiengespräche klangen deshalb in etwa so: „Ich kann nicht mehr!“ -„Wir sind doch gerade erst los?“ -„Aber es ist so steil!“ -„Aber hier ist doch noch gar kein Anstieg, der Berg beginnt doch erst da vorne?“ -„Ooooooouuuhhaa (tiefstes entnervtes Seuzfen inklusive Augenrollen)… und warum fahren wir überhaupt in die Berge?“ -„Wärst du lieber zu Hause?“ -„JAAAAAAAA!!!“

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Ein bisschen idyllisch und durchaus sehr fröhlich war er übrigens schlussendlich doch, unser Ausflug ins schönste Dorf Österreichs. Zum Beispiel als wir abends vor dem nächsten Wolkenbruch in die vermutlich schlechteste, aber sehr nette Pizzeria geflüchtet sind und Lene dort zu später Stunde noch ein Erdbeereis verputzt hat. Oder die Gondelfahrt, die jauchzend und frohlockend begangen wurde („Schau mal Mama, Küüüühe!! Ganz klein sind die!!“), der Abenteuerspielplatz unterhalb des Gipfels und der Besuch von Gut Aiderbichl auf dem Rückweg. Lene war im siebten Pferdehimmel und wäre vermutlich noch stundenlang geblieben, wenn das Gut nicht irgendwann geschlossen hätte und nicht das nächste Gewitter im Anmarsch gewesen wäre.

Unser Fazit: Kinder toben im Haus bis nachts um zwölf durch sämtliche Zimmer, sind aber draußen nach 5 Metern Spaziergang schon am Ende ihrer Kräfte. Alpbach ist wirklich ein sehr schönes Dorf. Gewitter sind Rudeltiere. Mit einer Dreijährigen kann man nicht „mal eben kurz“ bei Pferden vorbeischauen. Gut Aiderbichl ist dafür immer eine gute Idee. Wenn alles nach Plan liefe, hätte man doch gar nichts zu lachen.

Und wer nun doch oder gerade deshalb Lust auf (Berg-)Urlaub mit Kleinkind hat: Hier sind die Tipps für einen Urlaub in Alpbach

Urlaub in den Bergen mit autonomen Dreijährigen kann tatsächlich sehr, sehr schön sein, wenn man sich Aktivitäten sucht, die alle Beteiligten meistern können. Statt langer Bergtouren kann man in Alpbach nämlich auch ganz wunderbar im Wald spazieren gehen. Für kleine Wanderungen mit Kindern von 3 bis 5 Jahren bietet sich dafür der Mühlbachweg, der sogenannte „Weg der Besinnung“ an. Dort finden sich alle paar hundert Meter kleine Installationen, Infos oder auch ein Kräutergarten mit Kneipp-Anlage. Der Weg führt unter schattigen Bäumen an einem Bach entlang – und im Zweifelfall schützen die Bäume auch ganz gut vor Regen (von uns bereits ausführlich getestet).

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Wenn die Berge rufen, lohnt sich ein Ausflug auf das Wiedersbergerhorn. Mit der gleichnamigen Seilbahn fährt man hoch, genießt den Ausblick und freut sich über die staunenden Kinderaugen. Oben begrüßen einen Kuhgebimmel und das Lauserland, ein Abenteuerspielplatz mit Rutschen, Kletterkonstruktionen in den Bäumen, Wasserschöpfrädern, Tunneln und Höhlen. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings ist es schwierig, sein Kind wieder herauszubekommen.

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Gut Aiderbichl ist zwar nicht mehr Tirol, aber kurz vorstellen möchte ich es dennoch – einfach weil es eine so wunderbare Institution ist. Gut Aiderbichl ist ein Gnadenhof für Tiere, von dem es mittlerweile mehrere gibt. Wir waren auf dem Hof in Iffeldorf und haben dort die über 300 geretteten Pferde, Katzen, Hunde, Schweine, Kühe, Gänse und sogar Lamas besucht. Ein wirklich beeindruckendes und schönes Erlebnis, sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Schaut vorab gerne auf der Website vorbei, denn es gibt immer wieder tolle Aktionen. Der Eintritt für Erwachsene kostet 8€, Kinder bis 4 Jahre sind frei, bis 14 Jahre zahlt man 3,50€. Da jeder Euro in den Erhalt des Hofes und damit in die Rettung von Tieren fließt, ist es definitiv gern gegebenes Geld.

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Liebste Berggrüße sendet Euch

Martina

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “„Mama, warum fährt man überhaupt in die Berge?“ Mit einer Dreijährigen in Alpbach, Österreich.

  1. Das hab ich ja jetzt erst entdeckt! Danke für die Tipps, da will man gleich wieder in den Urlaub! 🙂 Udn irgendwie ist es auch lustig, dass die Kinder dann doch manchmal lieber daheim wären, wo man doch extra was Tolles unternehmen möchte 😉

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