Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln (A. Lindgren)

Schlage ich die Zeitungen auf oder klicke im Netz auf Nachrichtenseiten, finde ich Artikel über Abgasskandale und Gewalt, ich lese von korrupten Politikern, von Staaten, die nach rechts abdriften und, natürlich, von Trump, quasi als Sinnbild für all das, was eigentlich schief läuft auf dieser Welt. Ich lese all die wütenden Aufschreie, den Ruf nach Wahrheit, nach Frieden, nach Menschen, die endlich aufstehen und für das Gute einstehen. Gleichzeitig lese ich aber auch ständig davon, wie Kinder zu sein haben, damit sie „richtig“ sind. Von Gehorsam ist die Rede, von Disziplin, Brav-Sein und den damit einhergehenden Regeln, Konsequenzen und dringend nötigen Bestrafungen.

Wer nämlich nicht mit harter Hand durchgreift, so tönt es da, dessen Kinder werden später entweder genau diese Manager-Politiker-Tyrannen oder linksextreme Terroristen oder kommen als weltfremd verweichlichte Individuen in unserer Gesellschaft nicht zurecht. Wenn man diesen Forderungen zuhört, gewinnt man irgendwann den Eindruck, dass die kleinen Menschenkinder scheinbar völlig „falsch“ auf die Welt kommen, egoistisch, faul, asozial, und nun dringend der Formung durch Erwachsene bedürfen.

Dabei sind Babys und später auch Kleinkinder sehr soziale Wesen, die von Anfang an Teil einer Gemeinschaft sein und dazu beitragen möchten, dass es ihren engsten Bezugspersonen gut geht. Sie freuen sich, wenn sie ihre Eltern zum lachen bringen und wenn sie die Geschwister trösten können.  Sie sehnen sich nach bedingungsloser Liebe und geben diese doppelt zurück. Dabei kooperieren sie so oft und gerne, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt. Leider wird ihre Kooperation allerdings schnell übersehen, während all die weniger erfreulichen Aktionen sofort ins Auge springen: bemalte Wände, ein zerrissenes Kinderbuch, hauen, beißen oder die Unlust, jetzt die Jacke anzuziehen. Es ist ja auch nicht so, dass einen das als Mutter oder Vater nicht wahnsinnig machen kann. Natürlich reagiert man mal genervt. Manchmal sehr genervt. Und manches Mal ist es das beste, sich aus der Situation herauszunehmen, zu sagen, was einem zu viel wird und warum man kurz den Raum verlässt.

Denn nein, es geht hier nicht darum, dass Kinder immer, überall, jederzeit einfach machen können, was sie wollen. Selbstverständlich gibt es Grenzen, die natürlichen und die persönlichen. Weder lasse ich mein Kind vor ein Auto laufen, noch auf das dünne Eis eines gerade zugefrorenen Sees und sicherlich lasse ich es auch nicht vom Balkon springen. Genauso wenig tobt mein Kind mit Schuhen über die Sitze der S-Bahn, wirft seinen Müll auf die Straße oder macht aus dem Zaun der Nachbarin Kleinholz. Der Respekt vor den Bedürfnissen der Mitmenschen ist schließlich ein wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft – und zwar der gegenseitige Respekt.

Immer wieder sagen uns insbesondere ältere Herrschaften: „Was für ein liebes Kind! So gut erzogen!“. Erzogen? Oder eher nicht erzogen? Bei uns gibt es keine Strafen und keine Disziplinarmaßnahmen. Ich schicke mein Kind nicht auf die stille Treppe oder in sein Zimmer, ich erpresse nicht emotional, ich schlage mein Kind nicht. Ich versuche stattdessen, meinem Kind genau die Achtung und den Respekt entgegen zu bringen, die ich selbst erfahren und die ich jedem meiner Mitmenschen entgegenbringen möchte. Weder missbrauche ich meine Autorität noch schüre ich Ängste. Meine Tochter soll sich sicher und geborgen fühlen, geliebt als der Mensch, der sie ist, mit all ihren Eigenschaften und Eigenheiten. Sie soll ihre eigenen Ideen und Gedanken entwickeln, Dinge hinterfragen, die Welt nicht einfach so hinnehmen, wie sie nun mal gerade ist.

Wir alle träumen von mehr Gerechtigkeit, von Ehrlichkeit, Frieden und Respekt auf der Welt. All das kann man in Kinder aber nicht hineinprügeln. Jeder Schlag, jede Form physischer und psychischer Gewalt zerstört Liebe, Vertrauen und Sicherheit, stattdessen wachsen die Angst, die Wut und der Hass. Was lernt ein Kind aus Gewalt? Entweder sagt es sich: „Ich muss so klein und unsichtbar werden, meine Stimme muss verstummen, sodass mich niemand mehr sieht. Dann bin ich hoffentlich in Sicherheit.“ Oder es lernt daraus: „Ich muss groß und stark werden und lieber zuerst zuschlagen – dann gewinne ich und niemand kann mir mehr Schaden zufügen.“ Gewalt und Vernachlässigung sind es, die aus kleinen Menschen ängstliche, wütende, misstrauische, rücksichtslose Erwachsene werden lassen. Denn Kinder, die man nicht liebt, werden zu Erwachsenen, die nicht lieben (Peral S. Buck). Und wenn es richtig schief läuft, streiten sie sich irgendwann darum, wer die größere Atombombe hat.

#hassistkrassliebeistkrasser

#liebeisteinfachsovielschöner

 

 

 

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2 Gedanken zu “Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln (A. Lindgren)

  1. Wunderschöner Blogbeitrag!!!! Genau meine Meinung!!!! ❤

    Auch denke ich viele Erwachsene vergessen leicht, dass die Kleinen noch nicht so komplex denken wie wir Erwachsene und deswegen auch nichts böswillig tun.

    Ich denke gegenseitiger Respekt und das Versuchen nochmal durch die Augen deines Kindes auf die Welt zu schauen, hilft ungemein für das Verständnis. Liebe ist der wichtigste Faktor, sie entdecken lassen auch mal allein und ganz anders wie wir Erwachsene es tun würden (wir wissen ja wie es geht 😉 ) und „einfach“ die Dinge, die man von den Kindern möchte VORLEBEN. Dann denke ich, kommt der Rest von ganz allein.

    Liebe Grüße
    Rebecca 😉 🙂

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